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11.05.2026 |

Es war ein Doppelwochenende im Nerotal, das es in sich hatte und allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Mit den Zehlendorfer Wespen und dem Tabellenführer Berliner HC gastierten gleich zwei Berliner Spitzenteams beim WTHC.

Den Auftakt machte die Partie gegen die Zehlendorfer Wespen – ein junges, technisch starkes und extrem schnelles Team. Die Gäste begannen dann auch mit enormem Tempo und erspielten sich früh mehrere gute Möglichkeiten, die jedoch spätestens beim hervorragend aufgelegten WTHC-Keeper Jakob Ludwig endeten. Nach fünf Minuten fiel dennoch das 0:1.

Trotz des frühen Rückstands zeigte die Mannschaft im Vergleich zur Vorwoche eine deutliche Leistungssteigerung. Vor allem im Defensivverhalten überzeugte das Team mit hohem Einsatz und großer Disziplin. Auch offensiv gab es einige vielversprechende Szenen, wenngleich in den entscheidenden Momenten noch die letzte Präzision fehlte, um sich klare Abschlüsse zu erarbeiten. Die Gäste hingegen nutzten kleinere Fehler konsequent aus und bestraften Unachtsamkeiten auf diesem Niveau eiskalt. So fielen die Gegentreffer zwar unglücklich, waren letztlich aber nicht unverdient. Dennoch zeigte sich Trainer Stefan Zeller trotz einer 0:3 Niederlage mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden, da man über weite Strecken absolut konkurrenzfähig agierte.

Tags darauf wartete mit dem Berliner HC der souveräne Spitzenreiter der Liga, der das Hinspiel noch deutlich mit 8:2 für sich entschieden hatte. Was sich im Laufe des Spiels dann auf dem Rosi-Blöcher-Platz entwickelte, war allerdings ein echtes Hockey-Spektakel, wie es das Nerotal lange nicht erlebt hat. Der Bundesligaabsteiger startete furios und ging bereits nach 26 Sekunden mit 0:1 in Führung. Doch der WTHC antwortete umgehend: Samuel Ely erzielte in der zweiten Minute den Ausgleich zum 1:1. Nur wenige Sekunden später folgte nach einem nicht geahndeten Berliner Fußfehler das 1:2 und kurz darauf sorgte eine äußerst unglückliche Schiedsrichterentscheidung – ein Pfostentreffer wurde als Tor gewertet – für das 1:3. Vier Tore in den ersten drei Minuten – ein außergewöhnlicher Auftakt, der zunächst nichts Gutes erahnen ließ.

Doch die junge WTHC-Mannschaft zeigte beeindruckende Moral. Mit viel Leidenschaft, Mut und mannschaftlicher Geschlossenheit legte das Team jeglichen Respekt vor dem großen Namen ab und zwang dem Favoriten ein Spiel auf absoluter Augenhöhe auf. Noch vor der Halbzeit verkürzte Nico Rothengatter auf 2:3, ehe der Berliner HC per Strafecke den alten Abstand wiederherstellte.

Als direkt nach der Pause das 2:5 fiel, schien die Partie zugunsten des Aufstiegsaspiranten entschieden. Doch erneut bewies der WTHC Charakter. Die Mannschaft fand zurück in ihre Struktur, erhöhte den Druck und drängte den Tabellenführer zunehmend in die Defensive. Nico Rothengatter erzielte seinen zweiten Treffer, bevor Joel Correia mit einem Eckentor auf 4:5 verkürzte.

Spätestens jetzt war die Partie endgültig offen. Leon Lindemann sorgte mit einem überragenden Dribbling und einem sehenswerten Abschluss für den viel umjubelten Ausgleich. Kurz darauf brachte Moritz Simon den WTHC sogar erstmals in Führung – und der Rosi-Blöcher-Platz stand Kopf.

In den letzten zehn Minuten entwickelte sich ein leidenschaftlicher Kampf, in dem der Berliner HC noch einmal alles versuchte. Selbst eine vierminütige Unterzahl nach Gelber Karte gegen Jannis Collée überstand der WTHC mit enormem Einsatz und großer Disziplin. Am Ende blieb es beim umjubelten Heimsieg.

Damit kassierte der Tabellenführer nicht nur seine erste Saisonniederlage, sondern auch allein acht Gegentore gegen den WTHC – bei lediglich 19 Gegentreffern in der gesamten Saison. Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie mit Moral, Geschlossenheit, Disziplin und großer Leidenschaft mit jedem Gegner der Liga mithalten kann.

Eine Leistung, auf die das gesamte Team stolz sein kann – weiter so!

Fotos: Quentin Appleby